Umstrittener Kirschlorbeer: Sein Wert für Garten und Natur

Kirschlorbeer & Co. auf dem Prüfstand

In der Welt des Gartens und der Landschaftsgestaltung spielen Gehölze eine entscheidende Rolle. Sie dienen nicht nur als dekorative Elemente, sondern tragen auch zur Biodiversität bei und beeinflussen das lokale Klima.

Der Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung hat sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene Gehölzarten und neue Sorten auf ihren Gartenwert zu prüfen und zu bewerten.

Von 2017 bis 2022 wurden 42 Sorten von Kirschlorbeer, Portugiesischem Kirschlorbeer und Glanzmispel einer gründlichen Prüfung unterzogen. Dabei wurden diese Pflanzen an verschiedenen Standorten in Deutschland, z.B. in Bad Zwischenahn, kultiviert und auf Eigenschaften wie ihre Winterhärte und Neigung zu Frosttrocknis getestet.  

Die Wichtigkeit der Winterhärte wird besonders deutlich, wenn man den Hauptverwendungszweck dieser Gehölze betrachtet: die Anpflanzung von Hecken. Eine Hecke, die aus winterharten Sorten besteht, erweist sich als dichter und attraktiver im Vergleich zu einer Hecke, die nach einem kälteren Winter unter starken Frostschäden leidet.

Hecke mit Rotlaubiger Glanzmispel, Photinia fraserii

Was versteht man unter ‚Frosttrocknis‘?

Wenn Pflanzen während der Wintermonate frostbedingte Trockenschäden erleiden, spricht man von ‚Frosttrocknis‘.

In gefrorenen Böden können Pflanzenwurzeln kein Wasser aufnehmen, da es in gefrorenem Zustand nicht verfügbar ist. Gleichzeitig verlieren die Pflanzen jedoch weiterhin Wasser durch Transpiration. Dies führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Wasserentzug und -aufnahme. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch trockene, kalte Winde.

Die Symptome von Frosttrocknis sind vielfältig und können welke Blätter, Braunfärbung von Nadeln bei Nadelbäumen, abgestorbene Äste oder ganze Pflanzen umfassen.

Gärtner sollten bei kalten Temperaturen besonders auf ihre Pflanzen achten und bei weniger winterharten Pflanzen Schutzmaßnahmen ergreifen, um Frosttrockenschäden zu minimieren. Dies kann das Abdecken der Pflanzen sein z.B. mit Laub oder einen Winterschutz-Vlies.

Wenn man in kälteren Regionen wohnt, sollte bereits bei der Anpflanzung darauf geachtet werden, entsprechend winterharte Sorten zu wählen.

Hecke mit Portugiesischem Kirschlorbeer, Prunus lusitanica

Bestnoten vom Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung

Die getesteten Sorten des Kirschlorbeers (Prunus laurocerasus) haben unterschiedlich gut abgeschnitten. Die Sorten ‚Etna‘ und ‚Obelisk‘ wurden vom Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung als „ausgezeichnet“ eingestuft und dürfen somit das Gütezeichen Premiumgehölz der Bundesgehölzsichtung tragen. Als „sehr gute Sorten“ werden u.a. ‚Genolia‘, ‚Caucasica‘ und ‚Herbergii geführt.

Zweig von Prunus laurocerasus

Für den Portugiesischen Kirschlorbeer konnte die Sorte Prunus lusitanica ‚Angustifolia‘ vollends von sich überzeugen und wurde ebenfalls als Premiumgehölz ausgezeichnet.

Zweig von Prunus lusitanica

Bei den Rotlaubigen Glanzmispeln konnten aufgrund nicht ausreichender Winterhärte an verschiedenen Standorten keine deutschlandweiten Auszeichnungen als Premiumgehölz vergeben werden. Nichtsdestotrotz gibt es einige als ‚sehr gut‘ ausgezeichnete Sorten, wie z.B. Photinia fraserii ‚Red Robin‘ oder ‚Pink Marble®, die nicht nur mit ihrem besonderen Zierwert punkten konnten.

Zweig von Photina fraserii

Der Arbeitskreis Bundesgehölzsichtung hat eine Fülle von Informationen über die verschiedenen Gehölzsorten gesammelt. Für detaillierte Informationen über die bewerteten Sorten und die genauen Prüfkriterien können Interessierte die offizielle Internetseite www.gehoelzsichtung.de besuchen.

Kirschlorbeer: Besser als sein Ruf!

Kirschlorbeer ist eine weit verbreitete Heckenpflanze in deutschen Gärten. Trotz wiederholter Kritik des NABU (Naturschutzbund Deutschland) bleibt er eine beliebte Wahl bei Häuslebauern, die sich insbesondere in dicht bebauten Siedlungsbereichen, Abgeschiedenheit und Privatsphäre wünschen.

Kirschlorbeer, Prunus laurocerasus mit Blüten

Vorteile des Kirschlorbeers für Umwelt und Natur

Für die Tierwelt hat der Kirschlorbeer einiges zu bieten. Er verfügt an seinen Blattunterseiten über sogenannte Nektarien, die als sommerliche Nahrungsquelle für Insekten dienen.  

Der Kirschlorbeer hat auch eine Bedeutung als Vogelnähr- und Vogelschutzgehölz in unseren Gärten. Seine Früchte sind bei den verschiedenen Drosselarten beliebt. Im Winter bietet das immergrüne Gehölz unseren Gartenvögeln Schutz.

Im Gegensatz zu Grenzbauwerken wie Betonmauern, Gabionen und Zäunen, trägt der Kirschlorbeer zur Luftreinigung bei, indem er CO2 bindet und Sauerstoff freisetzt. Dies kann die immergrüne Heckenpflanze auch im Winter, wenn heimische Laubgehölze ihr Laub verloren haben und ruhen. Dies ist insbesondere in dicht besiedelten Gebieten von Bedeutung, wo die Luftqualität oft ein Problem ist.

Entgegen der Kritik, die der NABU äußert, ist der Kirschlorbeer nicht nur eine vielseitige, sondern auch eine ökologisch wertvolle Pflanze, die einen positiven Einfluss auf die Natur und die Umwelt hat.